»€uropa im Krisendomino?« Attac lädt zum Jubiläumsvortrag


Wann: 27. März 2012

Ort: Europasaal des Ministeriums der DG (Gospertstraße 1, B – 4700 Eupen)

Beginn: 20.00 Uhr

Attac DG feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Aus diesem Anlass lädt die wirtschafts- und globalisierungskritische Organisation zu einem Jubiläumsvortrag ein. Der Referent ist Prof. Dr. Elmar Altvater von der Freien Universität Berlin.

»€uropa im Krisendomino?« – mit dieser Leitfrage haben die Veranstalter (neben Attac organisiert Miteinander Teilen den Abend) den Vortragsabend versehen.
Der knappe Titel, versehen mit einem wichtigen Fragezeichen (und nicht etwa mit einem Punkt oder einem Ausrufezeichen) kommt nicht von ungefähr. Die Eurokrise ist seit zwei Jahren das Dauerbrennerthema in den nationalen und internationalen Medien. Die meisten Menschen haben aufgehört, die Rettungsgipfel in Brüssel zu zählen, bei denen die europäischen Staats- und Regierungschefs immer wieder glaubten, die Krise beigelegt zu haben.
Die Zinsen, zu denen sich viele Euro-Mitgliedsstaaten frisches Geld an den Kapitalmärkten leihen, sind in den letzten Monaten in die Höhe geschnellt und haben ein bedenklich hohes Niveau erreicht. Im Fokus stehen vor allem die südeuropäischen Staaten wie Spanien, Portugal und Italien. Und natürlich Griechenland.
Wenn ein (großes) Land stürze und seine Zahlungsunfähigkeit erkläre, setze das eine Kettenreaktion in Gang – eine Dominoreaktion. Dann sei die gesamte Eurozone in ihrem Bestand gefährdet, wiederholen die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy, wann immer sie können.
Aber stimmt das wirklich? Elmar Altvater, der von 1971 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2004 einen Lehrstuhl für Politische Ökonomie am renommierten Otto-Suhr-Institut inne hatte, gilt als ausgewiesener Kenner der Politikwissenschaft und der Nationalökonomie. Und – ganz wichtig – als überzeugter Europäer.

Als solcher macht er sich große Sorgen um das europäische Integrationsprojekt, das es geschafft hat, den Frieden in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu sichern. Eine Leistung, die man nicht hoch genug einschätzen könne.
Doch der europäische Kompass stimme nicht mehr, gab Altvater vor einigen Monaten in einem großen Interview mit der deutschen Wochenzeitung Die Zeit zu verstehen. Das Verständnis der derzeitigen Krise als Schuldenkrise greife entschieden zu kurz. Die von Deutschland durchgesetzte europäische Sparpolitik hält er für einen gefährlichen Irrweg, der zum Spaltpilz Europas werden könne.
Und so sind die Fragen, die am 27. März zur Diskussion stehen, alle ein wenig beunruhigend: Wohin steuert die Europäische Union? Welche Zukunft hat der Euro, die gemeinsame europäische Währung? Ist unser Geld auch künftig noch sicher? Ist die Domino-Metapher angemessen? Oder ist das Bild schief? Warum legt niemand die Finanzmärkte an die Kette? Und am wichtigsten: Was ist jetzt zu tun?

Brisante, drängende Fragen, auf die der Autor von über 50 Büchern Antworten geben wird. Der Vortrag mit anschließender Diskussion beginnt um 20.00 Uhr. Der Eintritt ist frei, eine Voranmeldung ist nicht erforderlich.

Wer ist Elmar Altvater?

Elmar Altvater gilt in der internationalen globalisierungskritischen Szene als »key thinker« (Schlüsseldenker). Sein Name steht für den Versuch einer Synthese zwischen Kapitalismuskritik und Ökologie.
Im Jahr 1938 in der nordrhein-westfälischen Stadt Kamen als Sohn eines Bergarbeiters geboren, schaffte Elmar Altvater über Jobumwege als Bauarbeiter und Liegewagenschaffner den gesellschaftlichen Aufstieg.
Nach einem Studium der Ökonomie und der Soziologie in München wechselte der Arbeitersohn an die Universität Nürnberg-Erlangen, wo er seine Doktorarbeit zu Umweltproblemen in der Sowjetunion schrieb. Der nächste Karriereschritt führte ihn an das Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Jenes Otto-Suhr-Institut im Westberliner Stadtteil Dahlem erwarb sich den Ruf einer Kaderschmiede der 68er-Bewegung. Nach dem Abflauen der Studentenbewegung nahm Elmar Altvater, seit 1971 Professor, an der Gründung der Grünen in Deutschland teil. Aus Protest gegen den völkerrechtswidrigen Kosovo-Krieg im Jahr 1999, der von den deutschen Grünen in der Bundesregierung seinerzeit mitgetragen wurde, verließ der heute 73-Jährige die Partei.
Aus der Feder des angesehenen Akademikers stammen über 50 Bücher, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden (so z.B. ins Japanische oder Schwedische). Das Themenspektrum Altvaters ist dabei außerordentlich breit: Seine Veröffentlichungen kreisen um die Dritte Welt, Umweltverschmutzung, Währungskrisen, Verschuldungsprobleme oder Energiefragen. Am bekanntesten sind aber seine Publikationen zum Globalisierungskomplex. Sein 1996 erschienenes Buch »Grenzen der Globalisierung«, das er in Zusammenarbeit mit seiner Lebensgefährtin Birgit Mahnkopf (ebenfalls Professorin in Berlin) verfasste, ist ein internationales Standardwerk der Globalisierungskritik.
Elmar Altvater ist Mitglied von Attac. Für den deutschen Ableger des globalisierungskritischen Netzwerks sitzt er im wissenschaftlichen Beirat.


Prof. Dr. Elmar Altvater (Foto: Cora-Mae Gregorschewski, Berlin)