Bildungstag 2009: Nachlese
Attac veranstaltete Bildungstag zur Krise
Über Wachstumsgrenzen und Alternativen
In einigen westeuropäischen Ländern wurde in der letzten Woche wieder (winziges) Wachstum vermeldet. Licht sei am Ende des Tunnels zu sehen, meinen die Optimisten. Pessimisten sehen dagegen nur den entgegenkommenden Zug.
Einen eher pessimistischen Blick auf die Krise und auf die Anstrengungen zu deren Bekämpfung warfen Attac Ostbelgien und Miteinander Teilen am vergangenen Samstag. Sie organisierten einen kompletten Seminartag zur Wirtschafts- und Finanzkrise. So etwas gab es in der DG bisher noch nicht, Angebote dieser Art sucht man eigentlich eher in Großstädten.
Vielleicht lag deswegen die Resonanz deutlich über den Erwartungen der Organisatoren. Über 30 Interessierte fanden sich in den Räumlichkeiten der Krankenpflegeschule ein und lauschten bei hochsommerlichen Temperaturen den ebenso komplexen wie sachkundigen Referaten zu so unterschiedlichen Themen wie Wachstumsgrenzen, sozialen Bewegungen in Lateinamerika oder Agrarsubventionen. Bezugspunkt war aber immer die derzeitige Wirtschaftskrise, die – wie deutlich wurde – in der Wirtschaftsgeschichte keinen Sonderfall darstellt. Vielmehr ist es so, dass wirtschaftliche Krisen genauso wie wirtschaftliche Boom- und Aufschwungphasen zum Wesensmerkmal des Kapitalismus gehören. Dass Reformen des Wirtschafts- und Finanzsystems nötig sind, war Konsens unter Referenten wie Zuhörern. Die Frage, wie umfassend diese allerdings ausfallen müssen, ob man also zuerst das Machbare tun soll oder ob man direkt den ganz großen Wurf wagen sollte, war Gegenstand einer interessanten Schlussdiskussion. Klar war aber allen Beteiligten: Veränderungen kommen nur dann, wenn Menschen bereit sind, dafür zu arbeiten.
Wesentlich zum Gelingen des Tages trug das aktive und diskussionsfreudige Publikum bei. Nicht wenige erhoben die Forderung nach einer Neuauflage des Bildungstages mit Vertiefungsreferaten zu spezifischen Themen.
