Finanzmärkte sind irrational — Fallbeispiel EE

Am Beispiel der Erneuerbaren Energien lässt sich zeigen, dass die Lehrbücher schlicht unzureichend sind und dass sie um mindestens eine wichtige Aussage erweitert werden müssen: An den Finanzmärkten zählt nur die kurzfristige Rationalität. Heißt: die kurzfristige Rendite.

Die führenden Unternehmen aus dem Wind- und Solarbereich, vielleicht die ExxonMobiles von morgen, sind auf einem extrem niedrigen Preisniveau angelangt. Nicht weil die langfristigen Aussichten schlecht wären, nein, weil kurzfristig Margendruck herrscht und keine Gewinne zu erwarten sind. Heute meldete mit Centrotherm ein Vorzeigeunternehmen der Solarindustrie Insolvenz an — binnen weniger Monate ging das Geld aus. Noch vor einem halben Jahr hatten ausnahmslos alle Analysten dem Unternehmen eine goldene Zukunft prophezeit. Die dänische Vestas, der weltgrößte Hersteller von Windrädern, blickt der Pleite ins Gesicht — die Aktie kostet nun etwas mehr als 3 €, sie stand einmal bei über 90 €.

All das passiert anderthalb Jahre nach Fukushima. Seinerzeit wurde in vielen Ländern die Energiewende ausgerufen. Doch diese stockt überall — auch weil es den Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien schlecht geht. In Japan fährt man derweil erste Atomkraftwerke wieder an. Das, was aus Fukushima eigentlich gelernt worden sein sollte, scheint in Vergessenheit zu geraten.

Mehr zum Thema in der FTD: "Centrotherm ist insolvent", der Schwäbischen: "Die Krise der Energie wird schrecklich sein", der ZEIT: "Kohle versus Öko: Wer gewinnt den Wettlauf?" und im FOCUS: "Japan produziert wieder Atomstrom".